Obwohl Aldrich für Autumn Leaves den Silbernen Bären der Berlinale für die beste Regie erhielt, wurde der Film lange als vermeintliches Studioprojekt für Star Joan Crawford unterschätzt. Dabei hatte Aldrich den Stoff für seine unabhängige Firma entwickelt und zeigte seine kritische Weltsicht (samt seinem Hang zu Noir-Schattierungen) unerwarteterweise in Form eines Melodrams, das mittendrin ins Abgründige kippt. Crawford spielt die selbstständige Typistin Milly Wetherby, deren hartnäckige Einsamkeit vom viel jüngeren Kriegsheimkehrer Burt (Cliff Robertson) durchbrochen wird. Ein neues Leben scheint zu beginnen, bis Milly entdeckt, dass Burt ein pathologischer Lügner ist und ein schreckliches Trauma verdrängt. Aldrich decouvriert eine Ahnengalerie toxischer Männlichkeit und demontiert eine verlogene "Normalität": Aus der Romanze wird ein ambivalentes Schreckensbild der falschen Versprechungen des Amerikanischen Traums. (C.H.)Einführung von Christoph Huber am 27.10.2026