Retrospektive: Andrzej Wajda

Kaum ein anderer Regisseur hat das polnische Kino – und das europäische Nachkriegskino insgesamt – so nachhaltig geprägt wie Andrzej Wajda (1926–2016). Geboren in eine Generation, deren Biografien von Krieg, Besatzung und politischer Gewalt unwiderruflich gezeichnet wurden, macht er das Kino zu einem Ort der Auseinandersetzung mit Geschichte, Erinnerung und Verantwortung. Der Mord an seinem Vater im Kontext des Massakers von Katyn, bei dem 1940 Tausende polnische Kriegsgefangene vom sowjetischen Geheimdienst erschossen wurden – lange Zeit ein staatliches Tabu –, bildet den unsichtbaren Ausgangspunkt eines Werks, das immer wieder um Verrat, Schuld und die Zerbrechlichkeit moralischer Gewissheiten kreist.